KURZ.GE.SCHICH.TE NO°41 {NILS}

by - Januar 07, 2021

Liebe Blogleser*Innen

Es wird Zeit, wieder einmal eine Kurzgeschichte zu schreiben. Eigentlich ist es eher ein Andenken an einen lieben Menschen, den ich vor beinahe vierzig Jahren kennen gelernt habe. Seit seiner Pension habe ich ihn nur einmal wiedergesehen. Aber als ich neulich sein Bild unter den Todesanzeigen entdeckte, kamen ganz viele Erinnerungen hoch. Und ich überlege, ob ich meine Gedanken der Trauerfamilie als Erinnerung schreiben soll, auch wenn mich die Angehörigen nicht kennen. Lest doch mal und schreibt mir, was ihr von der Idee haltet. 

Nils

Und immer sind da Spuren deines Lebens, Gedanken, Bilder und Augenblicke. Sie werden uns an dich erinnern und uns glücklich oder traurig machen.

Ich lese die Zeilen auf der Todesanzeige und betrachte die leuchtenden Augen und das vom Alter gezeichnete Gesicht von Nils. Meine Gedanken reisen zurück zu einem Sommer, in dem ich ihn auf der Berghütte meiner Tante kennengelernt habe. Ich half während der Sommerferien im Restaurant beim Tische abräumen, Essen servieren und abwaschen. Nils arbeitete damals bei der Bergbahn. Jede freie Minute besuchten meine Cousine und ich ihn in der Bergstation. Er nannte uns Krümel, wie den kleinen Hamster bei der Geschichte von Nils Holgersson. Nils, der eigentlich Sepp hiess, war immer für einen Spass zu haben.  Eines Tages rannten wir wieder über den Kiesweg zu ihm, als ich beim Laufen gestürzt bin und mir die Hand aufgeschürft habe. Meine Tante legte mir einen Verband an. Die Gäste auf der Terrasse hatten alle Mitleid, weil ich mit verbundener Hand die Tische abgeräumt habe. Die meisten gaben dafür ein Extratrinkgeld.
Die Tage verflogen wie im Flug und ich musste wieder nach Hause ins Tal. Es war eine ganz besondere Woche für mich. Besonders die Begegnungen mit Nils (Sepp). Sein herzensgutes Wesen hat mich sehr berührt. 
In den Jahren darauf begegnete ich Sepp vorwiegend im Winter, wenn ich zum Skifahren auf den Berg fuhr. Er winkte immer aus dem Aufsichtsraum oder grüsste spitzbübisch. Und auch heute noch, fast vierzig Jahre später, erinnere ich mich bei jeder Sesseleinfahrt in die Bergstation an ihn.

Ein Mensch, der einem über so viele Jahre in besonderer Erinnerung bleibt, muss eine ganz besondere Seele haben. Möge er in Friede ruhen und uns immer wieder als Sonnenstrahl auf die Erde winken. 

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * 

Was meint ihr, soll ich meine Erinnerung an die Trauerfamilie senden? 
Liebe Grüsse Paula

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3 Liebe Worte

  1. Liebe Paula, die Trauerfamilie würde sich garantiert freuen.
    Ich möchte Dir Mut machen, deine Zeile zu schreiben
    Herzlichst
    yase

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  2. Eine sehr schöne Idee, liebe Paula. Und ein berührender Text. Wenn ich Angehörige von Nils wäre, würde ich mich sehr freuen.
    Liebe Grüsse, Monika

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Herzlichen Dank, dass Du Dir Zeit genommen hast, ein paar liebe Worte da zu lassen.

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