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Paula's Haus

Ja das liebe Wunschgewicht, habe ich mir gedacht, als Frau Chrüselichopf und ich die September Wörter aus unseren Gläsern gezogen haben. Es sind einige unnütze Kalorien in meinen Mund gewandert, während ich kauend auf dem Bleistfit nach Sätzen gerungen habe, bevor irgendwann dann doch noch ein Wort-Salat entstanden ist. 
 


Mensch und Tier

Ich liege in einer Vollmondnacht auf dem Balkon, eingekuschelt in meinem Schlafsack und sinniere über das Leben. Über mein Wunschgewicht. Über das Wunschgewicht von Masttieren. Über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Über den Unterschied von Veganern und Vegetariern. Über das dumpfe Gefühl, dass die Sau von Bauer Sepp bald für unseren Verzehr ihr Leben lassen wird. Über den Geschmack von Schnitzel und Gordon-Bleu. Über das Wasser, dass mir dabei im Mund zusammenläuft. Über das schlechte Gewissen, das mich dabei überkommt.

Ich wälze mich von einer Seite auf die andere. Keine Chance einzuschlafen, zwischen Blumentöpfen und Wunschgewichten. Manchmal habe ich die Nase voll. Ans Aufstehen zu denken, ohne genug Schlaf zu bekommen. Beim Einkaufen die Qual zu haben, zwischen Bio aus Spanien oder konventionell aus dem Inland. Zwischen unverpackten Pestizid Äpfeln und eingeschweissten Bio Gurken. Zwischen Tempeh aus Holland oder Poulet aus der Schweiz. Zwischen Garden Crispy Filet aus Tschechien oder dem Schweinebraten vom einheimischen Bauer. 

Der Mond zieht derweil seine Bahnen. Ich denke wieder an die vier Schweine von Bauer Sepp, von denen wir uns bald eines mit der Schwägerin und den Schwiegereltern für den Jahresvorrat teilen werden. Die Schweine haben den Sommer über in den beiden Ställen verbracht, wo im Winter die Rinder und Kühe zu Hause sind. Im Sommer dürfen die vier Schweine das ganze Areal für sich nutzen. Auch die Aussenflächen, mit Blick auf das umliegende Bergpanorama. Ende September, bevor die Kühe von der Alp zurückkehren, bringt der Bauer die Schweine zum Betrieb des Metzgers, wo sie noch eine Woche lang verweilen, bevor sie geschlachtet werden. Auf diese Weise können sich die Schweine vom Stress des Transports erholen, was wiederum der Fleischqualität zu Gute kommt. Denn manchmal kann es passieren, dass ein Tier durch Stress zu viel Adrenalin ausschüttet, welches ins Blut gelangt und dort den PH-Wert erhöht, was wiederum das Fleisch zäh werden lässt. 

Ich weiss nicht, ob die Schweine ihr Wunschgewicht erreicht haben diesen Sommer. Also jenes Gewicht, damit sich für den Bauer die Haltung der Schweine finanziell gelohnt hat. Aber ich weiss, dass er sorgsam mit ihnen umgeht. Dass sie genug Platz hatten und den gleichen fantastischen Ausblick geniessen durften, wie ich auf meinen Streifzügen durchs Tal. Ob das die Schweine interessiert, der Ausblick aufs Tal und die Berge? Ich weiss es nicht. Aber ich weiss, dass dieses Fleisch vorzüglich schmeckt. Dass es einen Rosa Farbton hat, nicht so bleich, wie jenes vom Grossverteiler. Dass wir alle Teile erhalten, nicht nur Filet, sondern auch Hals-, Schulter- und Nierstücke. Und wir verpacken diese Stücke auch selbst beim Metzger. Das ist immer ein freudiges Zusammenkommen mit den anderen Abnehmern des Fleisches. 

Mit ein bisschen Glück dürfen wir von meinem Bruder, der Jäger und Metzger ist, auch noch ein paar Kilo Wildfleisch kaufen, von Hirschen die er in unserem Tal erlegt hat. Das ergibt für unseren Haushalt im Schnitt etwa 10 Kilo Fleisch pro Person und Jahr. Der jährliche Pro-Kopf Konsum der Schweizer Bevölkerung liegt bei knapp 50 Kilo. Obwohl wir weit unter dem Durschnitt liegen, plagt mich je länger je mehr bei jedem Schnitzel das schlechte Gewissen, seit ich weiss, dass der Konsum von Fleisch das Klima belastet. Darf ich mich damit trösten, dass das Fleisch von glücklichen Tieren aus einer Kleinsttierhaltung stammt? Oder damit, dass wir aufs Fliegen verzichten? Oder damit, dass wir im Schnitt weniger als die Hälfte Strom nutzen, als jede Schweizer Durchschnittsfamilie? Oder damit, dass ich von September bis Mai keine Erdbeeren kaufe? 

Ich wälze mich weiter in meinem Schlafsack. Betrachtete die kleinen Leuchtpunkte am schwarzen Nachthimmel. Den Morgenstern, der heller als alle anderen am Himmel steht. Und den Mond, der mit seinem hellen Schein den Stoff unserer weissen Sonnenschirme aufleuchten lässt. 

Ob sich der Rest der Schweizer Bevölkerung auch so viele Gedanken zum Fleischkonsum macht wie ich? Darüber, wie das Schwein oder das Huhn gehalten wurde, bevor es auf dem Teller gelandet ist? Heute stimmt die Schweizer Bevölkerung über die Massentierhaltung ab. Ich bin gespannt, was dabei herauskommt. Für mich persönlich wird sich nicht viel ändern. Wir werden in diesem Jahr wieder das Fleisch von Bauer Sepp und meinem Bruder geniessen. Was nächstes Jahr ist, wissen wir noch nicht. Ich sinniere weiter über unsere Lebensmittel. Ich denke an die Eierfrau, die uns jeden Montag beliefert. An den sympathischen Gemüsebauern aus Oberdorf, der uns den ganzen Sommer am Wochenmarkt seine Ernte präsentiert hat. An den Bäcker, der mir auf Wunsch 5 Kilo Mehlsäcke von der Mühle bestellt. An all die Älpler, die den ganzen Sommer feinsten Käse herstellen. An die Ziegen und Kühe, die die Milch dafür liefern. An die Kräuter, die auf den Alpen wachsen. An die Beeren die ich im Wald gesammelt habe. An die Pilze, die ich gerade erkunde und kennenlerne.

Und irgendwann schlafe ich über all diesen Gedanken zwischen Wunschgewicht und Gleichgewicht dann doch noch ein, um mir gleich am nächsten Morgen das Kochbuch Greentopf zu bestellen. 


Und jetzt schaue ich, was Frau Chrüselichopf zu all diesen Wörtern für einen Salat angerichtet hat. Ob sie selber einen Text geschrieben hat oder wieder ihren Hund Emil an den PC liess. Das mag euch ein bisschen sonderbar vorkommen, aber ich liebe die Texte, die sie aus der Sicht ihres Hundes verfasst. Sie eröffnen ganz neue Betrachtungsweisen auf unsere doch manchmal etwas sonderbare Spezies Mensch. 

Liebe Grüsse Paula

September 25, 2022 9 Liebe Worte



Uff, jetzt habe ich es doch noch geschafft, ein paar Zeilen für meinen Wort-Salat zu schreiben. Der Februar ist aber auch wirklich immer so furchtbar kurz. Und ich frage mich einmal mehr, wo die Zeit geblieben ist. Gottlob war Frau Chrüselichopf mit ihren Sandwichgefühlen nicht viel früher dran als ich. Eigentlich sollte es ja eine Fortsetzung auf die RENOVATION und das UMSTYLING geben. Gab es auch, aber nur in meinem Kopf. Der Februar hielt einige Abenteuer und Kehrtwendungen bereit. 



Sandwichgefühle

Der bitter-säuerliche Geschmack in meinem Mund erinnert an die letzten Tropfen Kaffee. Die Tasse steht leer neben der Tastatur. Daneben das Frühstück, wartend auf die Kinder. Sie schlafen noch. Auf einem kleinen Teller liegen vertrocknete Ranunkel Blüten. Sie erinnern an den Geburtstag Anfangs Monat. An das Geschenk meines Mannes. An den unbeschwerten Tag im Schnee, an die Abendwanderung mit Stirnlampe zum Gasthaus hinauf, zwischen Tannen und kahlen Laubbäumen. An das feine Essen. An den Weg durch den verschneiten Wald, im fahlen Licht unserer Lampen. An die Schlittenfahrt im Halbdunkeln. Was für ein friedvoller und schöner Tag ich geniessen durfte.

Jetzt, Ende Monat, wirbelt es in meinem Kopf. Ein Durcheinander aus Gedanken und Gefühlen. Auf dem Esstisch liegt ein Stapel Bücher. Inspirations-Material für einen Schreibauftrag über essbare Wildkräuter. Und in meinem Kopf kreist ein Rückblick an Ideen für die Wort-Salat-Fortsetzung. Die Ideen haben es nie aufs Papier geschafft. 

An einem Stuhl hängt mein Fasnachtskostüm und ich weiss nicht, ob es noch einmal zum Einsatz kommen soll. Ich habe es letzte Woche in einer Spontanaktion genäht. Die Freude über die Aufhebung der Pandemie-Massnahmen liess die Nähmaschine heiss laufen. Seit Mitte Februar war wieder vieles möglich. Ein verspätetes Geburtstagsgeschenk des Bundesrates. Aber so richtig frei fühlte es sich noch nicht an. Die Gefühle waren vielseitig. Die Gesichter der Mitmenschen meistens maskenlos. Die Ausgrenzung noch nicht verdaut, in Gedanken immer noch ein täglicher Begleiter. Aber die Vorfreude auf die Fasnacht tauchte alles in ein farbenfrohes Licht. 

Am Schmutzigen Donnerstag, kurz vor dem Mittagessen, war mein Kostüm fertig. Ein Rock, eine Tasche und ein Hut, genäht aus ausrangierten Jeanshosen. Verziert mit Rosen, Blättern und Streifen aus Jeansstoff. Als Waldfee wollte ich dem bunten Treiben beiwohnen. Nun wurde es aber höchste Zeit das Essen vorzubereiten, damit wir rechtzeitig den Zug nach Stans erwischen würden. Ich konnte es immer noch nicht recht glauben, dass wir in ein paar Stunden im Konfettiregen den Klängen der Guggenmusiken lauschen würden. Aber vorher musste ich das Näh-Chaos beseitigen. Musik sollte meine Putzaktion und die Zubereitung des Mittagessens begleiten. Ich stellte das Radio an ... und traute meinen Ohren nicht. {... Krieg in Osteuropa... Putins Truppen sind in der Nacht in die Ukranie eingefallen} ... Krieg? Fasnacht? Bomben? Gugenmusik? Wie in Trance schleppte ich den Staubsauger durch die Wohnung und schnipselte Gemüse fürs Mittagessen. Meine Gedanken drehten sich im Kreis. Die Zeit lief im Eiltempo voraus.  Konnte es wirklich sein, dass an diesem denkwürdigen Tag, an dem wir das Ende der Massnahmen feiern wollten, in Europa der Krieg ausgebrochen war? Alles schien surreal. 

Ich war kaum fähig einen klaren Gedanken zu fassen. Zu Hause zu sitzen und Trübsal zu blasen, schien mir keine Option. Ich musste raus. Das Tochterkind freute sich seit Tagen auf den Ausflug. Die Fasnacht stand vor der Tür. Der Krieg dröhnte daneben aus dem Lautsprecher. Ich malte mir ein paar Blätter aufs Gesicht. Die Freude stand auf Halbmast. Wir zogen unsere Kostüme an und erreichten gerade rechtzeitig den Bus zum Bahnhof. "Mami, du siehst aus wie eine Hexe." Na dann verhexen wir den Krieg, zog es durch meine Gedanken. 

In der zwanzig Kilometer entfernten Gemeinde war von den schlechten Nachrichten aus dem Radio nichts zu spüren. Hunderte von Menschen säumten die Umzugsstrasse, in freudiger Erwartung auf das bunte Treiben. Ob sich in ihren Seelen auch Sandwichgefühle auftürmten? Ich wusste es nicht. Wir bahnten uns einen Weg durch die Menge, auf der Suche zu einem ruhigeren Platz in einer abgelegenen Gasse. Wir mochten nicht Schulter an Schulter stehen. Etwas abseits, am Ende der Umzugsroute, bot sich genug Platz, dem Treiben ohne Gedränge beizuwohnen. Und so liessen wir Trommeln, Klänge, Kostüme und Rasseln vorbeiziehen. Konfettiregen säte Samen der Freude in unseren Seelen. Das Geschehen im Osten und die Zukunft säten Beklommenheit und Ungewissheit.

Wie viele Kriege und Machthaber muss die Menschheit noch erleben, bis auch die letzten begriffen haben, dass Habgier, Neid, Wut und Missgunst zu nichts führen? Ich will diese Gefühle nicht nähren. Versuche die Angst aussen vor zu lassen, so wie ich es die letzten zwei Jahre versucht habe. Ich schicke den Leidtragenden gute Gedanken. Wünsche ihnen ein sicheres Dach über dem Kopf, wärmende Decken, zu Essen und ein Wunder. Möge die Natur, die Liebe und die Vernunft über alles siegen, damit wir in Zukunft Frieden ernten dürfen. 

Die Gedanken kreisen weiter. Die Geschichte um Marianne, Johannes, Caro und Sabine könnte wie folgt weiter gehen ...

{ Mariannes Notizzettel liess Johannes grübeln. Du musst nicht auf mich warten. Ich bin mit dem Zug in die Stadt gefahren um Besorgungen zu machen. In die Stadt? Was wollte seine Mutter in der Stadt? Sie fuhr doch sonst nie dorthin, fragte sich Johannes verwundert. 
Marianne wollte ihrem Leben noch einmal eine Prise Abenteuer einhauchen. Was für ein Glück, dass sie im Netz Greta und deren anregende Denkanstösse entdeckt hatte. Der Lebensabschnitt zwischen 60-90 ist gleich lang, wie zwischen 30-60. Warum war sie selbst nie darauf gekommen? Nun streifte sie aufgeregt durch die Läden in Luzerns Innenstadt, auf der Suche nach einer schwarzen Lederjacke. Sie wollte unbedingt die gleiche haben wie Greta. Denn passenden Haarschnitt hatte ihr Caro bereits verpasst. ...}

Eine Gedankenflucht auf Gedankenreise. 

* * * * * * *

Liebe und friedvolle Grüsse
Paula

Februar 26, 2022 2 Liebe Worte

Tja, was soll ich sagen. Die Figuren in meinem Wortsalat haben sich bei der Renovations-Geschichte verselbständigt. Plötzlich wurde die Ehefrau zur Mutter. Kurz vor Schluss. Und in meinem Kopf zogen die Gedanken grössere Kreise. :-) Darum hier die Fortsetzung ...



Umstyling

Das Fenster stand offen. Kühle Luft strömte herein. Das Metall der Stühle glänzte im Sonnenlicht und Staubpartikel tanzten im Schein der hereinfallenden Strahlen. Sabine bekam von diesem Schauspiel nichts mit. Sie betrachtete die Namen in ihrem Auftragsbuch. Bald würde die letzte Kundin auftauchen. Caro. Waschen, schneiden, trocknen. Untermalt von Anekdoten um Timo, Lya und Nora. Um acht Uhr Morgens kam Tina. Ausgeschmückt mit Flirts, Frustrationen und Fragen zum Dorfgeschehen. 9.00 Uhr, Erika. Tratsch und Klatsch aus dem Seniorenheim. "Aber gäll, das bleibt unter uns?", hatte sie zum Abschluss gemeint. 10.00 Uhr, Frau Vogel. Detailgetreue Angaben zu den Geschehnissen an der Erlenstrasse. Mutmassungen und Vorahnungen. "Das glaubst du jetzt nicht...", hatte sie immer wieder verschwörerisch geflüstert. 11.00 Uhr, Herr Waldmeister. Waschen, schneiden. Viel war ihm nicht zu entlocken. Sabine mochte seine ruhige Art. Eine mentale Pause zwischen den ausführlichen Berichten all der anderen Kunden und Kundinnen. 13.30 Uhr, Frau Etter. Neugierig, gespielt verschwiegen, aber offen wie ein Buch mit ungelesenen Seiten. "Haben Sie das auch gehört?" - Die Sätze der Kundinnen tanzten wild durch Sabines Kopf. Manchmal amüsiert, manchmal vollgedröhnt von Sorgen, Gerüchten und Fragen, die sie löcherten wie ein Sieb oder zustopften wie Watte. 
15.00 Uhr, Marianne. Komplettes Umstyling. Was war nur in die Frau gefahren? Die sonst so zurückhaltende Seniorin war kaum widerzuerkennen. Sie plapperte wie eine verliebte Mittzwanzigerin. Erzählte und schwärmte vom Leben, als hätte sie noch alle Zeit der Welt für ihre Abenteuer. Dabei musste sie weit über siebzig sein. Johannes hatte doch erwähnt, er werde bald fünfzig? Der Sinneswandel von Marianne liess sie nicht mehr los. Beim letzten Mal hatte sie sich noch leidvoll über den Umbau des Hauses beklagt. Und jetzt, zwei Monate später, war sie wie ausgewechselt. Vielleicht tat ihr der Tapetenwechsel doch gut....?  Na egal. Für heute stand nur noch Caro auf dem Plan. Dann war Schluss für diese Woche. Sabine dachte ans Wochenende. Wellness im Appenzell, wohltuende Massagen, bunte Zeitschriften und ....

Ding-dong.

Sabine klappte das Auftragsbuch zu und schloss das Fenster, als Caro bereits zur Tür hereingeeilt kam. "Caro! Wie geht's dir?"
"Oh Sabine, du glaubst nicht wie ich mich gefreut habe zu dir zu kommen. Schau mich an! Sogar Nora, unser Nesthäkchen meinte <Mama, du könntest dich wieder einmal etwas schöner machen>." Caro setzte sich auf den Frisierstuhl und plapperte ohne Unterlass weiter, während Sabine ihr den Umhang befestigte und die Haare wusch. "Ach herje, das war wieder eine Woche! Timo hat jetzt eine Zahnspange. Der arme Kerl. Die ersten Tage konnte er kaum klar sprechen. Aber jetzt geht es immer besser. In seiner Klasse haben ja fast alle eine Spange. Und was das kostet. Ich darf gar nicht daran denken. Sei froh hast du keine Kinder. Bei Lya sind wir ja nicht sicher, ob sie eine Spange braucht. Ich hoffe nicht. Ich hatte auch eine als Kind. Mein Mann auch. Und mein Bruder Johannes auch. Ich frage mich ja oft, wie unsere Eltern das bezahlt haben. Ach da fällt mir ein, meine Mutter war heute auch bei dir gäll? Sie hat am Telefon erwähnt, dass sie eine Veränderung braucht. In ihrem Alter! Aber ich denke nicht, dass sie den Mut dazu hat. Ich habe ihr schon lange vorgeschlagen, die Haare mal etwas kürzer zu schneiden. Ich meine diese Haarknoten am Hinterkopf sind doch schon lange passé."
Sabine schmunzelte in sich hinein und dachte an den grauen Haarbüschel im Abfallsack. Zu gerne würde sie das Gesicht von Caro sehen, wenn sie ihrer Mutter das nächste Mal begegnet.

"Ich bin ja so dankbar, dass sich Johannes um Mama kümmert. Ich meine, dass sie bei ihm wohnen darf ist doch ein Glücksfall. So ist für beide gesorgt. Ich frage mich ja immer, warum der arme Kerl keine Frau findet. Attraktiv wäre er ja. Und Geld hat er auch genug. Aber so oft wie er unterwegs ist, hat er ja gar keine Zeit für eine Beziehung. Wie gut dass ihm Mama das Haus in Schuss hält. Ach, hat sie dir erzählt, dass sie eine neue Küche und ein neues Bad bekommen haben? Ich beneide sie wirklich darum. Was würde ich darum geben, wenn sich Kurt endlich dazu durchringen könnte, unser Haus zu renovieren."

Sabine liess den Wortschwall von Caro stumm über sich ergehen und Schnitt konzentriert die Spitzen des Schulterlangen Haares. Da und dort machten sich ein paar graue Strähnen breit. Ob sie Caro darauf ansprechen sollte? Lieber nicht, sonst kam sie am Ende noch auf die Idee, sich spontan die Haare färben zu lassen. Manchmal würde sie der Frau gerne ein Redeverbot auferlegen. In Gedanken hängte sie ein Schild an die Wand neben dem Friseurspiegel: <Reden ist Silber. Schweigen ist Gold.> Caro erzählte derweil munter weiter. Sabine war froh, dass Johannes dieses Plappergen nicht geerbt hatte. Aber attraktiv war er, da musste sie Caro rechtgeben. Beim Gedanken an seinen Körper lief es ihr heiss den Rücken hinunter. Gut dass Caro so mit ihren Alltagsgedanken beschäftigt war und nicht mitbekam, dass Sabines Wangen für einen kurzen Moment erglühten.

"So, das wärs." Sabine holte den Spiegel und zeigte Caro die Frisur von allen Seiten. "Perfekt! Jetzt kann ich wieder unter die Leute. Danke du Liebe. Ich bewundere ja immer Frauen mit kurzen Haarfrisuren. Meg Ryan zum Beispiel. Oder Jennifer Lopez und Blake Livley. Was hatte ich für einen Schock, als ich ihr Selfie auf Instagram entdeckt habe. Der mittellange Pixie Cut! Du meine Güte, so viel Mut hätte ich nicht." Caro blickte auf die Uhr über ihrem Sessel und schreckte hoch. "Ach herje, es ist ja bereits nach sechs Uhr. Ich muss Timo vom Hockeytraining abholen. Gäll ich twinte dir das Geld wieder?" Sie riss den Umhang von den Schultern, eilte zum Kleiderhaken, schnapte sich den Mantel und ihren Rucksack und öffnete schwungvoll die Tür. "Tschüssi und danke meine Liebe."

Fort war sie.

Sabine bliess die Luft aus, die sie unmerklich angehalten hatte. Endlich Wochenende! Hotel Hof Weissbad und aussichtsreiche Stunden mit ihrem Liebsten. 


 ~ Fortsetzung?  ~

Dann schreibt mir doch in die Kommentare ;-)

Liebe Grüsse Paula
 

Januar 18, 2022 3 Liebe Worte

Paula, was hast du dir nur dabei gedacht mit dem neuen Schreibprojekt? Was, wenn dir nichts einfällt zu den sechs Worten? - schoss es heute morgen durch meine Gedanken, als ich mir die Schnipsel für unseren 3:3 Wortsalat angeschaut habe. Ich war und bin voll Euphorie für das Projekt. Aber die Angst der Wortlosigkeit kennen wohl alle Schreibende. Dann habe ich mir ein Heft geschnappt, die Schnipsel-Worte aufs Papier geschrieben, eingekreist und mir alles notiert, was an Ideen durch meinen Kopf zog. Den ganzen Gedankensalat aus dem Hirn "geclustert".

Und schwup, war eine Idee geboren....



Renovation

Marianne rieb sich die Schläfen. Eine Massage, das wär's jetzt. Stattdessen eilte sie Johannes hinterher und versuchte seinen Visualisierungen zu folgen. Da eine Wand raus, da ein neuer Verputz, hier eine andere Farbe. Ein neues Sofa, eine neue Essecke, neuer Flur, eine neue Küche und ein neues Bad waren geplant. Marianne wusste nicht wo ihr der Kopf stand. Sie hatte aufgehört die Anzahl Renovationen des Einfamilienhauses zu zählen. Und sie hatte aufgehört Bananenschachteln zu zählen und zu verschenken. Sie kamen zum Einsatz, bevor sie wieder Staub ansetzen konnten. Marianne stöhnte auf. Unbemerkt, der Seufzer war ihr entwischt. 

Johannes schaute sie enttäuscht an. "Jede andere Frau würde sich glücklich schätzen, wenn sie zu einem neuen Haus käme. Nur du jammerst herum, von wegen ausräumen, umräumen und einräumen." Er warf genervt den Kopf in den Nacken. "Ja aber doch nicht alle drei Jahre!", entgegnete Marianne resigniert. "Ach was, die letzte Renovation ist mindestens zehn Jahre her."

Marianne wagte nicht ihm zu widersprechen. Zu gross war die Angst, dass er sie irgendwann auch austauschen würde, so wie er es mit den Möbeln tat. Sie hatte sich ein Redeverbot auferlegt, wagte nur selten einen Einwand, und war froh, wenn sie bei ihm Trockenen bleiben konnte. Nicht so wie ihre Freundin, die nach dem letzten Streit plötzlich mit Hab und Gut im Regen stand. Dann sollte er seinen Frieden haben, und sie auch, wenn ihm das Schöner machen des Hauses so am Herzen lag.

Die nächsten Monate erschienen ihr zwar wenig aussichtsreich, den Alltag wieder inmitten von Staub und Handwerkern zu verbringen. Einpackend und wieder auspackend. Allmählich wurden ihr die ewigen Renovations-Phasen einfach zu bunt. Und nachhaltig war das bestimmt auch nicht. Aber mit ein bisschen Glück waren unter den Handwerkern wieder ein paar knackige Hintern zu bewundern. Sie erinnerte sich nur zu gut an den letzten Umbau. Und an Alfonso, den Maler. Beim Gedanken an dessen Augen wurde ihr ganz warm ums Herz. Und erst sein Dialekt! "Frau Marianne, 'aben sie vielleicht eine Besen? Isch 'abe ihn vergessen." Noch Tage später hatte Marianne mit der Hand über das Holz des Besenstils gestrichen und verträumt an Pinsel, Farben UND Alfonso gedacht. 

"Marianne?" "... ja?", antwortete sie verklärt. "Träumst du?", hakte Johannes irritiert nach. Marianne zuckte zusammen und suchte nach einer Ausrede. "... hhhmmmm", sie nestelte an ihrer Schürze. "Ich habe mir gerade das neue Bad vorgestellt." Johannes legte den Arm um die Schultern seiner Mutter und meinte freudig: "Das wird super!"


~ Fortsetzung folgt ~  


Schaut unbedingt auch bei Frau Mo Chrüselichopf vorbei ;-)

Januar 08, 2022 3 Liebe Worte


Man nehme
 zwei kreative und sehr spontane Frauen,
einen gemeinsamen Wunsch
und ein paar Zeitschriften.
Man schnipsle einmal kräftig durch die Seiten,
lege alles in zwei Einmachgläser,
schreibe ein paar Ideen per Threema hin und her
und schwup ist ein neues Jahresprojekt geboren.

3:3 WORT-SALAT


So geschehen die letzten Tage.

Das Ergebnis:
Eine gemeinsame Schreib-Challenge.
Monatlich je drei Wörter
3:3
und hoffentlich ganz viele spannende, lustige, bunte und abwechslungsreiche Texte.
Ihr dürft gespannt sein, was Frau Chrüselichopf und ich aufs Papier bringen werden.
Wir sind es auch. :-)
Es wird bestimmt AUSSICHTSREICH
und BUNT
MASSAGEN fürs Gemüt.


Die Idee entstand durch einen gemeinsamen Wunsch.
Wieder öfter zu schreiben,
und mehr voneinander lesen.


Dann bis bald,
wenn es die ersten Texte von uns zu lesen gibt. 
Ich freue mich "uwadlig" auf das gemeinsame Projekt.
DANKE von Herzen, Frau Mo Chrüselichopf,
für das spontane Weben einer neuen Idee.

Liebe und hocherfreute Grüsse Paula 

P.S Dies ist mein 1110-ter Blog Beitrag. Ist das nicht verrückt?! :-)

Januar 06, 2022 3 Liebe Worte
 Nie und nimmer hätte ich mir vor zwei Jahren träumen lassen, dass wir als Gesellschaft einmal in eine so schwierige Situation kommen würden. Die Verhärtungen zwischen den Impf- und Massnahmenlagern haben meine Haut wieder ziemlich heftig prickeln und jucken lassen. Rückzug und tägliche Ausflüge in die Natur helfen mir, die grübelnden Gedanken, welche immer wieder auftauchen, zu sortieren. Und schreiben hilft. Zwar keine Kurzgeschichte, aber ein paar Gedanken sind entstanden. 



Auf leisen Sohlen

Auf leisen Sohlen schleichen sie herum. Sie breiten sich aus in unseren Seelen. Nagen an unseren Kräften. Stellen uns auf die Probe. Machen uns ohnmächtig. Manchmal wütend, manchmal tief traurig und FASSungs.los. Warum? Warum? Schreit der Verstand.

Wir werden müde, ob der Engstirnigkeit. Warum? Warum? Schreit das Herz?

Auf leisen Sohlen schleichen sie herum. Die Meinungen. Die Vorbehalte. Die Schuldzuweisungen.

Machen wir heute mal einen Sprung auf die Mauer und schauen auf die andere Seite.
Und wir sehen dort vielleicht dasselbe. Nebel und Ängste.

Lassen wir sie auf leisen Sohlen davon ziehen. Die Ängste. Die Wut und das Unverständnis. Auf beiden Seiten.

Lassen wir sie auf lauten Sohlen in unsere Herzen. Das Verständnis, die Liebe und die Hoffnung.

Wir entscheiden, welche Gedanken wir zulassen. Wir entscheiden uns selbst für Hass oder Liebe für Wut und Verständnis.

Die Medien verdienen ihr Geld mit Negativmeldungen und düsteren Zukunftszenarien.

Wir verdienen FRIEDEN. Alle, egal auf welcher Seite der Mauer wir stehen. Und für diesen Frieden können wir uns jeden Tag selbst entscheiden und ihn ausdrücken in der Art, wie mir mit unseren Mitmenschen umgehen. In der Familie. Im Freundeskreis. Am Arbeitsplatz. Im Dorf. In der Stadt. In unserem Land. In den sozialen Medien. Auf unserem Kontinent. Und auf der ganzen Welt. Wir sind was wir denken. Und wir erleben was wir denken. Und wir denken, was wir lesen und hören, wenn wir es ungefiltert in uns rein lassen.

Vielleicht hilft es schon, wenn wir dem Gegenüber, dass uns so gar nicht verstehen will, einfach in Gedanken die Hand reichen und uns Frieden wünschen. Ohne Bewertung.

Vielleicht hilft es, einmal ein paar Tage oder Wochen keine News mehr zu lesen, zu sehen oder zu hören. Mir hilft es.

Vielleicht hilft es, ein gutes Buch zu lesen, schöne Musik zu hören und guten Wein oder Tee zu trinken. Mir hilft es.

Lassen wir sie ziehen, die Wut und die Angst. Auf leisen Sohlen davon ziehen ...



Liebe Grüsse Paula
November 25, 2021 2 Liebe Worte
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PAULA'S HAUS


Willkommen in meinem Blog.  Ich bin Paula, eine kreative und Naturverbundene Mama aus der Zentralschweiz. Meine Tage haben selten genug Stunden, um all meine Visionen und Ideen umzusetzen. Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen und Stöbern.


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