Go west ...

by - Juni 04, 2021


Wer es gemächlich mag, abseits von Menschenmassen, findet im Westen der Schweiz eine einzigartige Landschaft. Diese Region stand bis vor einigen Jahren allerdings nicht auf meinem Radar in Sachen Ferienplanung. Doch seit unserer Reise im Sommer 2019 bin ich ziemlich Fan von dieser Gegend. Dieses Jahr zog es mich erneut westwärts. Zusammen mit einer Freundin verbrachte ich drei wundervolle Tage am Jurasüdfuss. Nach unserer Ankunft in Neuchâtel deponierten wir das Gepäck beim Hotel und reisten mit dem Zug weiter ins Val de Travers. Dort begann unser erstes Wanderabenteuer entlang der Areuse Schlucht. In der Annahme, wir würden einem wildromantischen Bächlein folgen, wurden wir bald eines Besseren belehrt. Die Areuse ist weit mehr als ein Bächlein. Sie fliesst abwechselnd als Fluss oder reissende Gischt talabwärts. Der Weg führt über Brücken, Treppen, Steinwege, Asphalt, schmalen  glitschigen Pfaden und abenteuerlichen Ausblicken, rund 11 Kilometer Richtung Neuenburgersee. Wir kamen aus dem Stauen nicht heraus und brauchten für die Strecke weitaus länger, als angegeben, da die vielen AH's und OH's viel Zeit in Anspruch nahmen. 





Die Tage zuvor hatte es oft geregnet, daher glich der Weg auf grossen Teilen einer Schlammgrube. Was unserer Freude über die Natur keinen Abbruch tat. Gottlob waren die schlammverschmierten Schuhe trocken bevor wir in Boudry wieder den Zug bestiegen und im Hotel gab es einen Schuhputzautomaten. :-)


Abends genossen wir im Hotelrestaurant ein ausgezeichnetes Essen. Eine Luxuserfahrung in Pandemiezeiten, da alle anderen Restaurants seit Weihnachten im Innern geschlossen waren. Das nächste Bild passt zur Zeit, die uns seit einem Jahr begleitet. Kaffee zum Mitnehmen und Klebestreifen auf den Fussböden.


* * * * * * 

Am zweiten Tag wollten wir eigentlich zum Creux-du-van wandern. Da ein eiskalter Westwind blies, entschlossen wir uns für einen Alternativ-Ausflug. Wer im Kanton Neuenburg in einem Hotel oder auf einem Camping logiert, profitiert von unzähligen Vergünstigungen. Immer, nicht nur in der Krise :-) Alle öffentlichen Verkehrsmittel, sowie viele Museen, können kostenlos benützt und besucht werden. Mit einem unserer Gutscheine reisten wir wetterbedingt zum Lac de Brenets, um eine kleine "Kreuzfahrt" zu unternehmen.


.... mit Maske versteht sich ...


Mit einem kleinen Touristenschiff tuckerten wir entlang von schroffen Felsen und unberührter Natur. 


In der Nähe des Anlagestegs lockte die Aussicht auf einen gigantischen Wasserfall. Der Ausblick über die Landschaft erinnerte mich an jene Alaskas oder Kanadas. Wälder und Natur, so weit das Auge reichte. Und kaum andere Touristen.


Eigentlich hatten wir geplant mit dem Schiff zurück zu fahren. Dieses fuhr aber erst 2.5 Std später wieder. Neben dem Wasserfall und den Wäldern gab es in Le Saut-du-Doubs nicht viel zu bewundern. Die Restaurantterrassen waren geschlossen und die kühlen Temperaturen luden nicht zum Warten im Freien ein. So entschlossen wir die Strecke zu Fuss zurück zu legen.

Wir können dem Fahrplan des Schiffes nur dankbar sein, ansonsten hätten wir die Aussicht auf die grandiose Landschaft verpasst. Und diese war, neben einer Menschenleeren Gegend, ein absolutes Highlight unserer dreitägigen Reise.



Schaut euch das an! Ist das nicht fantastisch? 


Die Wanderung entlang des Doubs stand einem Ausflug zum Creux-du-van in nichts nach. Wir waren ganz "geflasht" von den vielen Eindrücken und der einsamen Wanderung inmitten des Naturparks.

* * * * * * * 

Den dritten und letzten Tag nutzten wir für eine Stadtbesichtigung. Neuchâtel übertraf diesbezüglich all meine Vorstellungen. Als drittgrösste Stadt der Westschweiz hat sie einiges zu bieten. Bauten aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert prägen das Bild der Altstadt und reihen sich als prunkvolle Gebäude den Strassen und Gassen entlang. Dazwischen entdeckten wir unzählige Wandmalereien. 



Zugegeben, diese Fassade hat nicht mehr viel Prunkvolles. Aber sie schien mir trotzdem ein Foto wert, da sie wie alle gut erhaltenen Gebäude aus einer anderen Zeit stammt. Dafür staunte ich beim Anblick des Hotel du Peyrou. Dieses stammt aus dem Jahre 1729 und steht unter Denkmalschutz. Früher soll dessen Garten bis zum See gereicht haben.





Unsere Stadttour führte uns weiter bis oben zur Kollegiatkirche und zum Schloss Neuenburg.  


Leider kann die Kirche wegen Renovations-Arbeiten zur Zeit nicht besichtigt werden. Dafür linsten wir seitlich durch die Fenster in den Innenhof und knipsten trotz Glasscheiben ein paar tolle Bilder.



Beim Schloss bot sich ein toller Blick auf die mittelalterlichen Gassen.




Unsere Entdeckungstour führte vom Schloss wieder Richtung See, vorbei an weiteren historischen Bauten. Beim unteren Bild zeugt einzig die 30 auf der Strasse von der Neuzeit. Sogar die Blumenranken an der Terrasse scheinen aus einer anderen Epoche.




Neben all den historischen Bauten begegneten wir auch immer wieder den Fotografie ähnlichen Wandmalereien.


Den Turm der roten Kirche hatten wir bereits vom Hotel Zimmer aus entdeckt. Die Notre Dame von Neuenburg wurde anfangs des 19. Jahrhunderts aus Kunststein und rot gefärbtem Zement gebaut. Wohl eher unübliche Baumaterialen zu dieser Zeit.  


Im Innern muss man sich zuerst an das eher dunkle Licht gewöhnen. Aber je länger man darin verweilt, desto mehr gibt es zu entdecken. Unter anderem auch einige Pandemie bedingte Besonderheiten, die ich als Erinnerung festgehalten habe. Zum einen die hellblauen Absperrbänder und die gelben Klebestreifen auf dem Boden. Die QR-Codes, mit denen man Sonntags die Kollekte bezahlen kann, wollten irgendwie nicht so richtig auf ein Foto. 


Und so ging unsere Reise nach drei Tagen voller Eindrücke und Glücksgefühle zu Ende. Ich bin einmal mehr tief beeindruckt, wie nah Natur und Städte beisammen liegen können und völlig unterschiedliche Welten eröffnen. 

Auf der Heimreise im Zug entstand schliesslich ein letztes Pandemie Foto, in der Hoffnung, die Zeit der Masken möge irgendwann vorbei sein. Allerdings wurde mir in Neuchâtel wieder bewusst, wie begrenzt unsere Zeit ist. Wie eingeschränkt unser Zeitgefühl. Die Krise dauert nun rund ein Jahr. Im Vergleich dessen, wie viel diese alten Gebäude bereits erlebt haben, wie viele Kriege und Seuchen seither durchlebt wurden .... sind wir doch eigentlich nicht mehr als ein Wimpernschlag auf dieser Erde. Schwup.... und eine neue Epoche bricht an. Neue Menschen werden durch die alten Gassen ziehen und sich (vielleicht) fragen, wie sie war, diese Zeit der Corona-Pandemie. 
 

 Ich hoffe mein Reisebericht hat euch gefallen? Das Reisefieber hat mich wieder.... mit Abstand ... im Innland. :-)

Liebe Grüsse Paula

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3 Liebe Worte

  1. Liebe Pia
    Was für erholsame Tage, schön, dass du diese Ausflüge mit einer Freundin geniessen konntest.
    Bei mir hat dein Bericht schöne Erinnerungen an unsere Familienferien geweckt. Wir wanderten und badeten in der Areuse-Schlucht, wanderten beim Creux du Van und besichtigten ebenfalls den Saut du Doubs. Bei uns hatte es auf dem Lac de Brenet (dort waren wir auf dem Camping stationiert) nur wenig Wasser und es fuhren keine Schiffe. Schön sieht der See und der Wasserfall mit viel Wasser aus auf deinen Bildern.
    Liebe Grüessli
    Eda

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  2. Liebe Paula
    Ich muss Dir auch mal schreiben, Deine Bilder der Gegend sind so schön und animieren so, selbst einen Trip dorthin zu planen!
    Es scheint Euch gut ergangen zu sein und voll getankt mit schönen Erinnerungen heim. Wie schön!
    Ganz liebe Grüessli, Rita

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  3. Sehr hat er mir gefallen, dein Reisebericht! Der Jura ist für uns ein Reiseziel, das uns immer wieder begeistert. Am Saut du Dubs waren wir allerdings noch nie. Das müssen wir jetzt, nach deinen grossartigen Fotos, unbedingt nachholen!
    Herzliche Grüsse, Monika

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Herzlichen Dank, dass Du Dir Zeit genommen hast, ein paar liebe Worte da zu lassen.

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