Kurz.ge.schich.ten N°1 {Warten}

By Paulas Haus - Dezember 10, 2018

Herzliche Einladung zur
KURZ.GE.SCHICH.TEN Blog Parade


Erinnert ihr euch an das Schreibprojekt TELL A STORY von Emma?  Ich war Anfangs Jahr Feuer und Flamme für die wöchentlichen Schreibimpulse.  Nachdem mein Leben im März völlig auf den Kopf gestellt wurde,  schrieb ich meinen letzten Beitrag. Kurze Zeit später stellte auch Emma das Schreibprojekt ein. Ich vermute aus ähnlichen Gründen wie ich. Nichts desto trotz, hat mich das Schreiben die vergangenen Monate stets begleitet. Meine Gefühle in Worte zu fassen, helfen mir auf meinem Weg der Trauer. Ich nahm an einem Online-Schreibkurs teil, habe unzählige Bücher gelesen und Freude entdeckt, Gedichte und Kurzgeschichten zu lesen und zu schreiben.  Aus diesem Impuls entstand auch mein Momentbuch, von dem ich euch kürzlich erzählt habe. Eigentlich ist es eher ein Kurzgeschichtenbuch. Ich notiere darin Erlebtes aus meinem Alltag und meinen Erinnerungen. Wenn ich darin blättere, bin ich überrascht, was ich alles geschrieben habe und wie schnell man doch vergisst. All die besonderen Momente, die Lustigen, die Traurigen, die Absurden, die das Leben lebenswert und spannend machen. 

Mein Schreiben erweckte die Idee einer Blog-Sammlung, denn ich bin mir sicher, in euren Köpfen schwirren Kurzgeschichten und Erinnerungen, die es wert sind aufgeschrieben und gelesen zu werden. Wie heisst es so schön, die spannendsten Geschichten schreibt das Leben selbst. Haarsträubende, Traurige, Lustige, Eklige, Peinliche, Langweilige oder Kuriose. Habt ihr Lust eure Geschichten zu teilen?

Ich biete jeden Monat wöchentliche Stichworte, zu denen ihr eine Kurzgeschichte oder ein Gedicht verfassen könnt. Wer mag, kann ein Bild dazu teilen. Die Stichworte könnt ihr als Anregung nehmen. Vielleicht mögt ihr das jeweilige Stichwort auseinander nehmen und ein neues daraus kreieren. Das ist euch frei überlassen. Aus FEIERTAGE darf eine Geschichte zu FEIERN, TAGEN oder EIER entstehen. Die Geschichte kann wahr oder frei erfunden sein. Ich veröffentliche meine Geschichte jeweils am Montag, mit der Möglichkeit, eure zu verlinken. Vielleicht habt ihr Lust sofort los zu schreiben oder ihr startet mit Beginn des neuen Jahres. Oder vielleicht möchtest du einfach nur mitlesen. Ich bin gespannt und heisse euch herzlich willkommen. 


Warten
Sie steht in der Warteschlange eines Spielzeuggschäftes der Zürcher Innenstadt, in Reih und Glied mit andern Menschen, um das Geschenk ihres Sohnes zu bezahlen. Die Verkäuferin indes wartet auf ihren Vorgesetzten, weil sie mit der Warenretoure eines Kunden nicht zurechtkommt. Louisa hat nicht viel Zeit, der Zug Richtung Innerschweiz fährt bald los. Zu Hause warten die Kinder auf das Abendessen. Sie lässt ihren Blick über die Regale des Ladens schweifen und entdeckt weitere spannende Dinge. Baby- und Kleinkindersachen. Ach wie lange ist es her, seit sie schwanger war und ihre Kinder erwartet hat.
Louisas Gedanken werden unterbrochen, als sich die Dame vor ihr entfernt. Sie bezahlt ihren Einkauf und macht sich zügig auf Richtung Hauptbahnhof. Vor dem Gebäude warten Taxis auf Kunden. Nach betreten der Bahnhofshalle sucht sie Gleis 4. Es herrscht dichtes Gedränge. Louisa ist nicht die Einzige, die den Zug Richtung Luzern erwartet. Aber sie muss nicht lange warten, die Wagen der SBB treffen soeben ein.
Gemeinsam mit den andern Passagieren steigt sie ein und begibt sich zu einem freien Platz am Fenster. Die Abteile füllen sich rasch. Kein Wunder, es ist fünf Uhr abends. Gegenüber sitzt ein Mann mit Laptop und hackt wie wild in die Tasten, neben ihm eine Frau mit dunklem Hautton. Zu ihrer Rechten sitzt eine junge Frau, vermutlich eine Studentin, auf deren Beinen ein Notenheft liegt. In der einen Hand hält sie ein Handy mit einer Klavier App, mit der anderen Hand spielt sie verschiedene Töne. Hören kann Louisa die Klänge nicht. Die Studentin trägt Ohrstöpsel, genauso wie alle anderen Menschen in diesem Zug. Louisa trägt keine und kommt sich beinahe exotisch vor.
Um die Zeit des Wartens zu verkürzen, holt sie ein Buch aus der Tasche und vertieft sich in die Geschichte eines Romans. Kurz vor Luzern schaut sie aus dem Fenster. Sie erblickt das Kantons Spital und erinnert sich an bange Stunden, als ihre Mutter im Sterben lag. Warten auf den Tod. Warten. Warten. Warten. Die Erinnerung beraubt sie ihrer Fassung. Sie kämpft mit den Tränen, fehlt nur noch, dass sie jemand schräg anschaut. Aber was wissen die Menschen schon von ihr? Nichts. Genauso wenig weiß sie von ihnen. Sie weiß nicht, auf was die anderen Menschen im Zug warten. Auf die Ferien? Den Frühling? Den Sommer? Eine Geburt? Ein Lob? Eine Gehaltserhöhung? Ein Update auf dem Laptop? Den nächsten Song? Den perfekten Ton der Klavier App? Die Ticketkontrolle? Das Nachtessen? Auf eine E-Mail? Das Wochenende? Auf einen Arztbefund?
Während Louisa so darüber nachdenkt, wird ihr bewusst, wie sehr unser Leben von WARTEN geprägt ist. Auf was eigentlich?

* * * * *

Ich bin gespannt wie euch meine Erzählung und  die Idee der Kurzgeschichten gefällt. Wenn ihr unsicher seid, was eine Kurzgeschichte ausmacht, googelt doch mal im Netz. Ich selber mag zum Beispiel die Geschichten von Franz Hohler, geschrieben mitten aus dem Alltag. Er bringt mich immer wieder zum Schmunzeln und Nachdenken. 

Liebe Grüsse Paula

Die Bilder zur Linksammlung darfst Du dir gerne mit auf den Blog nehmen und verlinken.


Inlinkz Link Party

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3 Liebe Worte

  1. liebe paula, gespannt habe ich auf die vorstellung deines projektes GEWARTET, aber das habe ich dann nicht ERWARTET. deine idee ist ja ziemlich ehrgeizig, aber sie gefällt mir sehr! das wiederum hast du wahrscheinlich bereits ERWARTET ;-)
    icch werde auf alle fälle versuchen, regelmässig bei dir mitzumachen. danke jetzt schon für deine denkanstösse!
    ♥ monika

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    1. Liebe Monika, das freut mich sehr 💛 Ich bin sehr gespannt ob sonst noch jemand mitmacht. Ich habe jedenfalls viele Schreibideen und ich hoffe, dass sich alle die Mitlesen etwas bewusster durch den Alltag bewegen, den dort schlummern so viele Schätze. Aber das weisst du ja ;-)

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  2. schönen guten morgen, liebe paula, meine erste kurz.ge.schich.te ist online. es ist vielleicht eher eine kolumne, als eine geschichte. ich hoffe, es passt trotzdem?
    leider klappt das mit dem verlinken bei mir noch nicht. ich werde es weiter versuchen, aber vielleicht kannst du mich auch von dir aus verlinken?
    liebe grüsse und geniesse diesen herrlichen wintertag
    ♥ monika

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Herzlichen Dank, dass Du Dir Zeit genommen hast, ein paar liebe Worte da zu lassen.